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M U S I K O B J E K T
G E S C H I C H T E N
Populäre Musik und materielle Kultur

Interdisziplinäre Tagung, Weimar, 1. und 2. Oktober 2020
Festsaal des Goethe-Nationalmuseums Weimar, Frauenplan 1, 99423 Weimar

Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung unter:  christina.doerfling@hfm-weimar.de


Materielle Musikobjekte wie Musikinstrumente oder Noten trugen über die Jahrhunderte hinweg nicht nur zur Stabilisierung und Tradierung spezifischer Musikkulturen bei, sondern eröffneten auch neue Möglichkeiten des Herstellens, Vermittelns und Erlebens von Musik. Mit dem Aufkommen elektromechanischer und elektronischer Apparate der Musikproduktion, -speicherung und -wiedergabe wurden diese Möglichkeiten im Laufe des 20. Jahrhunderts stark erweitert und transformiert. Produktion, Vermittlung und Rezeption von Musik sind seither nicht mehr an konzertante Aufführungssituationen gebunden. Schallplatte und Musikkassette, Lautsprecher und Kopfhörer, Mischpulte und elektrisch verstärkte Musikinstrumente wie E-Gitarren und Heimorgeln haben somit die Art und Weisen, wie Musik gehört und gemacht wird, grundlegend verändert. Sie haben maßgeblich zur Differenzierung und Popularisierung von Musik beigetragen.
Musikobjekte nehmen bei der Erforschung populärer Kultur eine Doppelfunktion ein. Zum einen sind sie Teil übergreifender musik-, kultur- und technikgeschichtlicher Entwicklungen, über die sie etwas ‚erzählen‘ können. Zum anderen können sie nach ihren je eigenen Objektgeschichten und spezifischen Nutzungshorizonten befragt werden. Ausgehend von dieser Beobachtung widmet sich die interdisziplinäre Tagung aus theoretischen, methodologischen sowie sammlungs- und ausstellungspraktischen Perspektiven Musikobjektgeschichten der populären Kultur.

M U S I C
O B J E C T
S T O R I E S
Popular music and material culture

Interdisciplinary Conference, Weimar, October 1 and 2, 2020
Ballroom of the Goethe National Museum Weimar, Frauenplan 1, 99423 Weimar

Limited number of participants. Registration via email: christina.doerfling@hfm-weimar.de

Over the centuries, material musical objects such as musical instruments or sheet music have not only contributed to the stabilization and transmission of specific musical cultures, but have also opened up new possibilities for the production, communication and experience of music. With the advent of electromechanical and electronic apparatuses for music production, storage and reproduction, these possibilities were greatly expanded and transformed during the 20th century. Since then, the production, mediation and reception of music have no longer been bound to performance situations. Records and music cassettes, loudspeakers and headphones, mixing consoles and electrical instruments such as electric guitar or home organs have thus fundamentally changed the way music is heard and made. They have contributed significantly to the differentiation and popularization of music.
Music objects have a dual function in the exploration of popular culture. On the one hand, they are part of comprehensive developments in the history of music, culture and technology about which they can ‚tell‘ something. On the other hand, they can be questioned according to their own object histories and specific horizons of use. Based on this observation, the interdisciplinary conference will focus on the history of music objects in popular culture from theoretical, methodological and practical collection and exhibition perspectives.

Tagung

Interdisziplinäre Tagung, Weimar, 1. und 2. Oktober 2020
Festsaal des Goethe-Nationalmuseums Weimar, Frauenplan 1, 99423 Weimar

Begrenzte Teilnehmerzahl. Anmeldung unter:  christina.doerfling@hfm-weimar.de

Programm

Donnerstag, 1. Oktober

9:00-9:30 Uhr: Eröffnung

9:00 Uhr Christoph Stölzl (Präsident der HfM Weimar)
GrußwortBio

Prof. Dr. Christoph Stölzl, geboren 1944 in Westheim, studierte Geschichte, Literaturwissenschaft und Soziologie. Ab 1974 arbeitete er im Bayerischen Nationalmuseum, von 1980 bis 1987 als Direktor des Münchner Stadtmuseums und danach bis Ende 1999 als Gründungs- und Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Christoph Stölzl hat zahlreiche große Ausstellungen zur europäischen Kulturgeschichte veranstaltet sowie viele Arbeiten zu Geschichte, Kultur und Politik Europas veröffentlicht. 2000/2001 war er Berlins Kultur- und Wissenschaftssenator und von 2002 bis 2006 Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses. Christoph Stölzl ist zudem viele Jahre als Publizist in Presse, Rundfunk und Fernsehen tätig gewesen. Seit Juli 2010 ist er Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.


9:15 Uhr Christofer Jost (Freiburg) und Martin Pfleiderer (Weimar)
EinführungBios


Christofer Jost ist Oberkonservator am Zentrum für Populäre Kultur und Musik sowie Privatdozent am Institut für Medienkulturwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Seine Schwerpunkte in Forschung und Lehre sind: Populäre Musik, digitale Medien und Musik, audiovisuelle Medienkulturen, Musik und Bildung und Performance Studies.



Martin Pfleiderer (geb. 1967) studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Soziologie an der Universität Gießen (1988-93), wo er 1998 promoviert wurde. Von 1999-2005 war er wissenschaftlicher Assistent für systematische Musikwissenschaft an der Universität Hamburg. Nach seiner Habilitation (2006) und mehreren Gastdozenturen ist er seit 2009 Professor für Geschichte des Jazz und der populären Musik an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. Seine Forschung konzentriert sich auf die Geschichte, Analyse und Ästhetik von Jazz und populärer Musik (insbesondere im Blick auf Rhythmus, Gesang und Improvisation), Musiksoziologie und Computational Musicology.



9:30-13 Uhr Grundlagen der kulturwissenschaftlichen Objektforschung

Moderation: Laura Niebling (Regensburg/Weimar)Bio


Laura Niebling ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Habilitandin am Lehrstuhl für Medienwissenschaft der Universität Regensburg. Sie studierte Medienwissenschaft und Komparatistik an der Universität Bochum und promovierte an der Universität Bayreuth mit einer Arbeit zur Geschichte der filmischen Musikdokumentation. Von 2015-2018 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland 1945-2005“ an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, von 2018-2019 war sie Mitarbeiterin im BMBF-Verbundprojekt „Musikobjekte der populären Kultur“ an der HfM Weimar. Sie arbeitet hauptsächlich im Bereich der Medien- und Technikgeschichte zu digitalen Medien, vor allem der Digitalisierung der deutschen (Tele)Medizin, und Medien der populären Kultur.



9:30 Uhr Stefanie Samida (Heidelberg)
Ding, Körper, Sound: Verwebungen in Musikobjekten der populären Kultur
Abstract und Bio

TriTraTrallala – damit beginnt die Schallplatte „Kinder hört mal her. 4 lustige Kasperlegeschichten und Kinderlieder“. Dieser Gesang hatte und hat immer noch seinen ganz eigenen (Mono-)Sound und seine ganz eigene Wirkung – begleitet vom Knistern und Kratzen der Nadel, begleitet vom im Hintergrund unaufhörlich rotierenden ‚Antrieb‘ des Schallplattenspielers „Telefunken Mister Hit“ und begleitet vom Wenden der Platte, wenn die ersten beiden Geschichten zu Ende sind. Wir sehen hier ein ganz spezielles Zusammenspiel von Ding, Körper und Sound.
Der Vortrag widmet sich auf einer theoretischen Ebene zunächst dem vielschichtigen Begriff ‚populäre Kultur‘ und wirft dabei einen Blick auf das Verhältnis von materieller Kultur und populärer Kultur. Anschließend soll den Verwebungen von Ding, Körper und Sound nachgegangen werden. Hier treffen drei Konzepte aufeinander, die in der aktuellen kulturwissenschaftlichen Debatte derzeit viel diskutiert, aber immer noch zu wenig aufeinander bezogen sind. Schließlich möchte ich anhand des bereits erwähnten Schallplattenspielers „Telefunken Mister Hit“ den auf einer Metaebene vorgestellten Verwebungen auf einer pragmatisch-empirischen Ebene nachgehen. Dies geschieht über verschiedene Zugänge: über die Materialität des Objekts, über die Objektgeschichte bzw. Dingbiographie, über die Analyse der Ding-Ding-Beziehung sowie über die Analyse der Mensch-Ding-Beziehung bzw. der Praktiken, wie dieses spezielle Musikobjekt in den Lebensvollzug integriert war und ist.

Stefanie Samida ist Privatdozentin für Populäre Kulturen an der Universität Zürich und Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universität Heidelberg. Sie studierte Vor- und Frühgeschichte, Klassische Archäologie und Mittelalterliche Geschichte, danach Medienwissenschaft-Medienpraxis. 2005 erfolgte die Promotion in Tübingen, 2016 die Habilitation an der Universität Zürich. Sie war unter anderem Projektleiterin im Forschungsprojekt „Living History. Reenacted Prehistory between Research and Popular Performance“ am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, Nachwuchsgruppenleiterin an der Heidelberg School of Education sowie Research Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Heritage Studies, materielle Kultur, populäre Kulturen sowie Medien- und Wissenschaftsgeschichte.


10:15 Uhr Stefan Krebs (Luxembourg)
Hands-on! – Überlegungen zur Experimentalisierung der (Medien-)GeschichteAbstract und Bio


Das Luxemburger Forschungsprojekt „Doing Experimental Media Archaeology“ legt schon im Titel den Schwerpunkt auf das eigene Tun des Historikers. Während die klassische Medienarchäologie einen weitgehend diskursorientierten Ansatz verfolgte, zielt die Experimentelle Medienarchäologie darauf ab, durch die Experimentalisierung der historischen Forschung neues Wissen über Medienobjekte und ihre Nutzungs- wie Rezeptionspraktiken zu erzeugen. Dabei rücken die Medienobjekte selbst je nach Aufbau der Experimente in den Mittelpunkt, indem sie als epistemische Dinge befragt werden, oder als technische Objekte in den Hintergrund, wenn der Fokus auf den Nutzungs- und Rezeptionspraktiken liegt. Der Vortrag beschreibt die Entwicklung der lokalen Luxemburger Experimentalkultur und fragt anhand der bislang durchgeführten Experimente nach dem Erkenntnispotential wie den Grenzen der Experimentellen Medienarchäologie.

Stefan Krebs ist Assistant Professor und Leiter der Abteilung Public History am Luxembourg Centre for Contemporary and Digital History (C2DH). Nach dem Studium der Geschichte, Philosophie und Politischen Wissenschaft an der RWTH Aachen und der Universität Aix-Marseille promovierte er 2008 mit einer technikhistorischen Arbeit an der RWTH Aachen. Anschließend arbeitete er als Postdoc an der TU Eindhoven, der Maastricht University und der Université de Luxembourg bevor er 2017 ans C2DH wechselte.





11:00 Uhr Kaffeepause

11:30 Uhr Anne-Kathrin Hoklas (Dresden)
Die ‚Trägheit‘ des Medienhabitus. Musikobjekte als generationelle Prägekräfte Abstract und Bio

Keine andere ästhetische Erfahrung hat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Generationen von Jugendlichen in vergleichbarem Maße geprägt wie Musik. Über die generationsstiftende Rolle der immer wieder neuen popmusikalischen Stile besteht weithin Einigkeit. Der rapide medientechnologische Wandel im Bereich der Musik hat aber auch neue generationelle Stile medienmusikalischer Handlungspraxis hervorgebracht. Mit anderen Worten: Nicht nur das Was, sondern auch das Wie des Musikhörens kennt generationelle Prägungen. Der Vortrag stellt eine kultursoziologische Forschungsperspektive vor, die an Karl Mannheim und Pierre Bourdieu anknüpft, diese medientheoretisch weiterdenkt und einen empirischen Zugang eröffnet. Es wird vorgeschlagen, sich auf die Praxis des mediengestützten Musikhörens zu fokussieren und zu fragen, wie sich diese entlang des historischen Wandels der Materialität der Musikobjekte transformiert hat. Vor diesem Hintergrund wird auf der Basis einer 2013/14 durchgeführten qualitativen Interviewstudie anhand von Passagen zur (Nicht-)Nutzung zweier ausgewählter Audiotechnologien, dem Kopfhörer und der CD, gezeigt, dass sich ein generationsspezifischer modus operandi des Musikhörens rekonstruieren lässt, der trotz permanenter medientechnischer Entwicklungen über verschiedene Lebensphasen hinweg weitgehend stabil geblieben ist.



Anne-Kathrin Hoklas ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für soziologische Theorien und Kultursoziologie der Technischen Universität Dresden, wo sie 2017 über den soziomateriellen Wandel des alltäglichen Musikhörens promovierte. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Time has come today“, zuvor war sie am Fachgebiet Audiokommunikation der Technischen Universität Berlin im DFG-Projekt „Survey Musik und Medien“ tätig. Sie forscht, lehrt und publiziert zu Kultur- und Mediensoziologie, soziologischer Theorie, auditiver Kultur und qualitativ-rekonstruktiven Methodologien und Methoden.




12:15 Uhr Andreas Ludwig (Potsdam)
Fragmente der Abwesenheit. Museumsobjekte als Spuren historischer Praxis Abstract und Bio

Kein Radioapparat kann die individuelle oder gemeinschaftliche Praxis des Musikhörens in einem historisch gewordenen Kontext verraten. Warum also sich beim Scheiben von Geschichte auf die materielle Kultur stützen? Das im Museum verwahrte Objekt verrät etwas über Dingausstattungen, technische Lösungen, Design und Geschmack, verweist aber lediglich auf die Möglichkeiten eines Gebrauchs. Das Objekt verweist auf Abwesenheit, auf einen nicht mehr erkennbaren Moment des Gebrauchs und seiner individuellen wie gesellschaftlichen Bedeutung. Auf der anderen Seite verweisen Dinge auf historische Praxen, die sich wie ein Grundrauschen jenseits der dokumentierbaren Ereignisgeschichte ausnehmen und deren Bedeutung im Individuellen wie in generationellen Erfahrungen liegt. Der Beitrag fragt danach, wie aus den materiellen Überresten Zusammenhänge, für die sich in der Geschichtswissenschaft interessiert, entstehen können.


Andreas Ludwig ist Historiker und Assoziierter Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und arbeitet über Fragen der der Alltagsgeschichte und der Materiellen Kultur und der Musealisierung der Zeitgeschichte. Von 1993 bis 2012 leitete er das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt, wo er, neben zahlreichen Ausstellungen, die museale Sammlung als materielles Archiv für Gesellschaftsgeschichte anlegte. Er ist Mitherausgeber der Zeitschrift WerkstattGeschichte und Lehrbeauftrager für Museologie an der Europa-Universität Viadrina.



13:00 Uhr Mittagspause


14:30- 18:30 Uhr Transnationale Musikobjektgeschichten

Moderation: Alan van Keeken (Freiburg/Gronau)Bio

Alan van Keeken, M.A. schloss sein Studium der Musikwissenschaft, Soziologie und Politikwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen 2018 mit der Arbeit „Das Phänomen Deutschpop ca. 2004-2011“ ab. Seit September 2018 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter des ZPKM der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im BMBF-Projekt „Musikobjekte der populären Kultur“. Sein Aufgabengebiet sind dort die „Generatoren des Sounds“.

14:30 Uhr Daniel Morat (Berlin)
Scheiben, die die Welt bedeuten. Carl Lindström und der entstehende Weltmusikmarkt 1904-1929 Abstract und Bio

Die neue Tonaufnahmetechnik ermöglichte Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur zum ersten Mal Schall aufzuzeichnen und zu speichern. Sie veränderte auch die Art und Weise, in der Klänge in Bewegung versetzt werden konnten. Auf einem Wachszylinder oder einer Schallplatte festgehalten, konnten Klänge nun von einem Ort zum anderen gebracht werden. Sie konnten als Objekte verteilt und gehandelt und dadurch auch in neuer Weise kommodifiziert werden. Die schnell entstehende Schallplattenindustrie beruhte auf diesem Prinzip. Schon in den ersten Jahren ihrer Entstehung operierten die amerikanischen und die europäischen Schallplattenlabels in einem globalen Maßstab. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen sie Musik aus aller Welt auf, um sie auf der ganzen Welt zu verkaufen. Der Vortrag wird sich am Beispiel der Berliner Carl Lindström AG mit diesem entstehenden Weltmusikmarkt in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts beschäftigen. 1904 in Berlin gegründet, entwickelte sich die Lindström AG zu einem der größten multinationalen Plattenkonzerne Europas. 1929, auf der Höhe ihres globalen Geschäftserfolgs, verfügte die Firma über Fabriken in sechs verschiedenen Ländern sowie über ein globales Vertriebsnetzwerk. Der Vortrag wird sich auf die kulturellen Effekte dieser globalen Wirtschaftstätigkeit konzentrieren: Inwiefern trug die globale Zirkulation von Schallplatten als Musikobjekten zu einer neuen Form der musikalischen Zirkulation und damit zu einer Globalisierung der Musik bei?


PD Dr. Daniel Morat ist Privatdozent für Neuere und Neueste Geschichte an der Freien Universität Berlin und arbeitet zur Zeit als Kurator für die Berlin-Ausstellung im Humboldt Forum. Neben dieser kuratorischen Tätigkeit hat er sich in den letzten Jahren vor allen Dingen mit Fragen der Sound History beschäftigt, die er auf den Feldern der Stadtgeschichte, der Mediengeschichte und der Populärkultur verfolgt hat. Letzte Buchveröffentlichung: Handbuch Sound. Geschichte – Begriffe – Ansätze, hg. mit Hansjakob Ziemer, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler, 2018.



15:15 Uhr Stefan Gauß (Berlin)
Rauschfrei und pur. Der CD-Player und der Übergang zum digitalen Sound in den 1980er JahrenAbstract und Bio

Anfang der 1980er Jahre kamen die ersten CD-Player auf den Markt. Das neue Angebot fand rasch Akzeptanz, und die Compact Disc löste in den folgenden Jahren die Schallplatte als Leitmedium der Tonträger ab. Mit diesem Wandel verband sich der Übergang von der analogen zur digitalen Form der technischen Reproduktion von Schall. Es veränderte sich die Materialität und Ästhetik des Sounds ebenso wie die der Objekte. Der CD-Player eröffnete neue Handlungsmöglichkeiten – für Musiker, Gerätehersteller und Verwerter wie für diejenigen Menschen, die sich deren Produkte aneigneten – mit vielfältigen Folgewirkungen für die Musikkultur. Der Beitrag greift die Geschichte des CD-Players auf unter der Forschungsperspektive der „industriellen Massenkultur“ (Wolfgang Ruppert). Ausgehend von den Merkmalen und Eigenschaften des Objektes fragt er nach deren wechselseitigem Zusammenhang zu den verschiedenen Bedeutungen, Sinnkonzepten und Gebrauchsweisen, wie sie sich innerhalb der Sphären der Produktion und des Umgang herausbildeten. Der historische Vergleich des CD-Players zu vorangegangen Objektivationen der technischen Reproduktion von Schall ermöglicht die Einordnung in die Zivilisationsgeschichte der Moderne.



Stefan Gauß, geb. 1963, Dr. phil., studierte zunächst Philosophie und Japanologie an der Freien Universität Berlin, dann Design mit Schwerpunkt Kultur- und Designgeschichte an der Universität der Künste Berlin. Er war unter anderem wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle für kulturgeschichtliche Studien, Universität der Künste Berlin, bei Prof. Dr. Wolfgang Ruppert und Lehrbeauftragter für Kultur- und Designgeschichte. Sein Forschungsfeld ist die Geschichte der Dinge. Publikationen u. a.: Nadel, Rille, Trichter. Kulturgeschichte des Phonographen und des Grammophons in Deutschland (1900-1940), Köln 2009.




16:00 Uhr Kaffeepause

16:30 Uhr Sarah Hardjowirogo (Hamburg)
Zukunftsmusik von gestern: Zur Historisierung von Software-Instrumenten Abstract und Bio

Vor gar nicht allzu langer Zeit gehörten Software-Instrumente wie die MUSIC-Programme von Max Mathews (1957-66), Laurie Spiegels Music Mouse (1986) und Propellerheads ReBirth RB-338 (1996) noch der Zukunft an: Entwickelt in höchst unterschiedlichen historischen, ästhetischen und technischen Kontexten, verband sie doch die Vision eines völlig neuartigen Zugangs zum Musikmachen mithilfe des Computers. Aus heutiger Perspektive haben sie als virtuelle Kultobjekte bereits eine gewisse historische Bedeutung, repräsentieren sie doch wichtige Stationen in der Geschichte der Computermusik. Inzwischen sind die Zukunftsinstrumente von gestern allerdings ein bisschen in die Jahre gekommen – die Obsoleszenz von Software ist ein Problem, das auch vor musikkulturellen Artefakten nicht Halt macht. Vor dem Hintergrund ihrer musikhistorischen Relevanz drängen sich deshalb – aus kuratorischer wie aus wissenschaftlicher Sicht – zunehmend Fragen nach den Möglichkeiten ihrer technischen und kulturellen Bewahrung auf: Wie kann die Funktionsfähigkeit solcher Instrumente erhalten bleiben? Welche Rolle spielen dabei ihre einzelnen Komponenten, von der Hardware-Umgebung über Programmiersprache, grafische Benutzeroberfläche und andere Steuerungsinterfaces bis hin zu klanglich-soundästhetischen Charakteristika? Welche Möglichkeiten der musealen Präsentation bieten sie? Der Beitrag geht am Beispiel der drei eingangs genannten Instrumente auf die Herausforderungen ein, die die Historisierung von virtuellen Musikobjekten wie SoftwareInstrumenten mit sich bringt.


Sarah Hardjowirogo ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Transferbüro der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Im Zuge ihrer Promotion am Schwerpunktbereich ((audio)) des Instituts für Kultur und Ästhetik digitaler Medien der Leuphana Universität Lüneburg befasste sie sich mit dem Begriff des Musikinstruments und seiner Veränderung im Kontext elektronischer und digitaler Medien. Als Wissenschaftliche Mitarbeiterin war sie seit 2010 an verschiedenen Lehrstühlen im Bereich der Musik- und Medienwissenschaft tätig. Im Rahmen des Forschungsprojekts 3DMIN war sie 2017 als Kuratorin an der Ausstellung »Good Vibrations« im Musikinstrumenten-Museum Berlin beteiligt. Sie forscht, lehrt und publiziert über Musik und Technikkultur, Audiomedien und Musikinstrumente.

17:15 Uhr Benjamin Burkhart (Freiburg)
Konzipieren, konstruieren, kalkulieren. Firmenarchive und die Produktionskulturforschung zu Musikabspielgeräten Abstract und Bio

Das Design, die Funktionen und die Vermarktung von Musikabspielgeräten basieren auf langwierigen Planungsprozessen, in deren Rahmen verschiedene Professionen ineinandergreifen müssen. Allerdings ist über diese Prozesse wenig bekannt, schließlich wollen Konzerne in der Regel Betriebsgeheimnisse bewahren und die Beschäftigten sind zur Wahrung derselben verpflichtet. Eine Möglichkeit, dennoch Einblicke in diese Produktionszusammenhänge zu bekommen, bieten die mitunter zugänglichen Archive von Phonokonzernen. Diese beinhalten Protokolle, Designskizzen, technische Zeichnungen und Berichte sowie Kalkulationen, auf deren Basis die Entstehungsbedingungen von Musikabspielgeräten nachgezeichnet werden können. Sie bieten somit eine vielversprechende Basis für historische Produktionskulturforschungen. Der Vortrag fokussiert Archive ehemaliger DDR-Betriebe, die – gerade im Vergleich mit den wenigen zugänglichen Archiven vormals westdeutscher Konzerne – eine umfangreiche Quellenbasis gewährleisten, zumal in der DDR eine vitale Phonogeräteindustrie existierte. Auf Basis verschiedener Quellentypen sollen die Perspektiven, die sich durch die Sichtung von Firmenarchivunterlagen für die Musikobjektforschung eröffnen, skizziert werden. Zentral ist dabei der Versuch, die Geräte einmal nicht mit Blick auf ihr Design, ihre Vermarktung oder Aneignung, sondern hinsichtlich ihrer Entstehungsbedingungen und damit als Resultat kreativer, technischer und ökonomischer Prozesse, kurzum: als etwas planvoll ‚Gemachtes‘ zu betrachten.

Benjamin Burkhart studierte Musikwissenschaft an der Universität Würzburg und an der HfM Weimar, wo er 2019 promoviert wurde. Seit 2018 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg im BMBF-Verbundprojekt „Musikobjekte der populären Kultur“. Arbeitsschwerpunkte: Analyse und Ästhetik populärer Musik und Jazz, qualitativ empirische Methoden in der Musikforschung sowie auditive Medienkulturen in Geschichte und Gegenwart.



Freitag, 2. Oktober

9:00-12:30 Uhr Sammeln – Bewahren– Ausstellen – Vermitteln 

Moderation: Christina Dörfling (Weimar)Bio

Christina Dörfling ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HfM Weimar im BMBF-Projekt „Musikobjekte der populären Kultur“. Nach dem Studium der Musik-, Medien- und Geschichtswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin war sie 2015-2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Graduiertenkolleg „Das Wissen der Künste“ an der UdK Berlin. Dort schloss sie 2019 ihre Doktorarbeit „Der Schwingkreis. Schaltungsgeschichten an den Rändern von Musik und Medien“ ab. Sie war Stipendiatin der Humboldt Graduate School, Scholar in Residence am Deutschen Museum München und Fellow am MPI für Wissenschaftsgeschichte.



9:00 Uhr Rebecca Wolf (München)
Objekte der Musik im Museum: klassische Aufgaben und das Potential des Virtuellen Abstract und Bio

Die Vielfalt der Objekte der Musik umfasst eine große Bandbreite: Musikinstrumente, Geräte, Noten, Tondokumente ebenso wie Installationen und Aufführungsmaterial können dazu gezählt werden. Sie alle stehen zur ephemeren Kunst Musik in besonderem Verhältnis und eröffnen für Museen und benachbarte Institutionen wie Bibliotheken und Archive interessante Fragen und Herausforderungen. Nicht zuletzt muss manches Mal entschieden werden, ob die Musik selbst oder das damit verbundene materielle Objekt für die Museumsarbeit an erster Stelle steht. Zum Beispiel bei Erschließungsprojekten ist dies ein zentraler Schritt, aber auch bei der Frage, was genau zu konservieren ist. Die Kernaufgaben von Museen von sammeln bis ausstellen sind längst durch die Digitalisierung ergänzt. Diese verbindet die Aufgabenbereiche des Erforschens, Bewahrens und Präsentierens in besonderer Weise. Auf der einen Seite ergänzt sie die herkömmlichen Aufgaben, auf der anderen schafft sie oftmals eigene Objekte (Scans, Aufnahmen, Schaubilder, Fotos, virtuelle Kopien, Datenbanken, Samples). Letztere können unter dem Vorzeichen der Authentizität diskutiert und auch ausgestellt werden. Ausgewählte Beispiele zeigen die Herausforderungen, die Objekte der Musik für Museen bieten, und wie dies für eine virtuelle Ausstellung umgesetzt wurde.


Rebecca Wolf leitet die Leibniz-Forschungsgruppe „Materialität der Musikinstrumente. Neue Ansätze einer Kulturgeschichte der Organologie“ am Deutschen Museum und unterrichtet zudem an musikwissenschaftlichen Instituten in München und Stuttgart. Fellowships führten sie ans Music Department der Harvard University und ans MPI für Wissenschaftsgeschichte, Berlin. Ihre Dissertationsschrift “Friedrich Kaufmanns Trompeterautomat. Ein musikalisches Experiment um 1810” wurde mit dem Award of Excellence des österreichischen Wissenschaftsministeriums ausgezeichnet. Darüber hinaus publiziert sie zu Musik in Krieg und Frieden und Themen der Organologie. Konzepte von Klang und Wissen im Handwerk von 1800 bis 1950 erforscht sie in ihrem aktuellen Buchprojekt.




9:45 Uhr Benedikt Brilmayer (Berlin)
Ein Tonscherbenhaufen? Das Problem der Flüchtigkeit elektronischer Klänge und InstrumenteAbstract und Bio

Elektronische Musikinstrumente erfuhren besonders ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vielfältige Entwicklungen. Überblickt man dabei ihr musikalisches Potential auch nur kursorisch scheinen sie herkömmliche Vorstellungen von Musikinstrumenten zu sprengen. Ihr Potential zur Klanggestaltung wirkt unerschöpflich, ihre Spiel- und Bedienungsweisen schaffen neuartige performative Dimensionen. Dennoch sind Sammlungen elektronischer Instrumente bislang überwiegend in privaten Händen oder privaten Museen zu finden und erst in den letzten Jahren vermehrt in den Fokus der Forschung gerückt. Obgleich die Familie der elektronischen Instrumente vergleichsweise jung ist, stellt ihr museales „Bewahren“ große Herausforderungen dar. Wie können Instrumente bewahrt werden, deren Materialität äußerst vielschichtig und zugleich extrem kurzlebig ist? Wie archiviert man „den Klang“, wenn Instrumente konstruiert wurden, um möglichst viele Klangfarben erzeugen zu können? Wie dokumentiert man Spielweisen, wenn das Potential darin besteht, dass jeder Interpret sein Instrument programmieren kann? Allein das „verstummte“ Instrument zu bewahren stellt hinsichtlich hochkomplexer baulicher Komponenten eine schier unlösbare restauratorische Aufgabe dar. Aber können Nachbauten, Kopien oder Emulationen ein authentisches Klangerlebnis ermöglichen und Hinweise auf Spielweisen sowie -techniken liefern? Der Vortrag möchte sowohl Einblick in den sammlungsbezogenen Umgang mit elektronischen Musikinstrumenten geben, als auch Gedanken zur Vermittlungsarbeit darlegen und anhand ausgewählter Instrumente und Prozesse konkrete Problemstellungen diskutieren.


Benedikt Brilmayer studierte Musikwissenschaft und Psychologie an der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Erste Tätigkeiten im Bereich der Organologie erfolgten für die Klassik-Stiftung Weimar innerhalb des Forschungsprojektes „Restaurierung und Konservierung historischer Tasteninstrumente“. Weiterhin arbeitete er an der Thüringischen Landesausstellung Franz Liszt. Ein Europäer in Weimar mit. In seiner Dissertation untersuchte er Prozesse des Technologietransfers im Musikinstrumentenbau mit besonderem Fokus auf das Trautonium. Seit 2015 arbeitet er am Musikinstrumenten-Museum SIM PK und ist Kurator für Saiten- sowie elektronische Musikinstrumente. Er publiziert u.a. Arbeiten zum musealen Umgang mit elektronischen Musikinstrumenten sowie deren Entstehungs- und Entwicklungsprozessen.




10:30 Uhr Kaffeepause

11:00 Uhr Hans Peter Hahn (Frankfurt)
Die Unberechenbarkeit der Sammlung. Vom Eigenleben gesammelter und verwahrter DingeAbstract und Bio

Walter Grasskamps Buch „Seltsame Museumsbesuche“ informiert über das in literarischen Fantasien sich formierende, oftmals überschüssige „geheime Leben“ von Sammlungs- und Ausstellungsstücken. Dem Leser bietet sich ein Kaleidoskop von literarischen Quellen dar, in dem stets die Dinge mehr Eigenschaften erhalten, als ihnen fachlich zugeschrieben wird. Die Dinge werden lebendig, sie treten in einen Dialog mit dem Besucher, und sie verwandeln den Saal in eine Theaterbühne. Aus wissenschaftlicher Perspektive sind Sammlungen zunächst ein epistemisches Gerüst. Sie verdanken ihre Existenz der Vorstellung, durch das Zusammentragen der Objekte eine anders nicht zu erlangende Erkenntnis zu gewinnen. Trotz der klaren ‚ursprüngliche Motivation‘ für eine Sammlung ist doch offensichtlich, dass kaum eine Sammlung dem so dargelegten Ziel genüge tut. Sammlungen scheitern, weil sie unvollständig bleiben, man verliert das Interesse an ihnen, weil in der betreffenden Fachdisziplin neue Konzepte und Theorien in den Vordergrund rücken, oder sie werden vernachlässigt, weil die Kosten für Unterhalt und Präsentation zu hoch sind. Dieser Vortrag soll neben diesen Aspekten noch ein anderes Moment der Überraschung thematisieren. Es geht um die Frage, inwieweit Sammlungsobjekte tatsächlich Zeugen sind, wie es von Ethnologen und anderen Wissenschaftlern häufig formuliert wird. Gerade im Bereich der Musikinstrumente in Sammlungen sind Überraschungen alltäglich. So geht es darum, wie ein Objekt sich durch die Lagerung verändert, ob die Spielbarkeit des Instruments erhalten werden kann, und nicht zuletzt, welche Prioritäten bei der Restaurierung zu setzen sind. Oft weiß an mehr über Materialien und die restauratorischen Herausforderungen als über das Objekt selbst. Als Beispiel für dieses irritierende Nichtwissen bzgl. ethnografisch gesammelter Musikinstrument soll eine Floßzither der Rukuba aus dem Zentralplateau Nigerias dienen.



Hans P. Hahn ist Professor für Ethnologie mit regionalem Schwerpunkt Westafrika an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderem materielle Kultur, Handwerk, Konsum und Globalisierung. Neben Projekten der internationalen Museumskooperation hat er ethnografische Forschungen zu Migration in Westafrika, zu Konsumgütern sowie zu Bedeutung und Gebrauch von Mobiltelefonen durchgeführt. Weitere Interessensgebiete sind wirtschaftsethnologische Themen, kulturwissenschaftliche Wertkonzepte und transnationale Arbeitsmigration. Wichtige Publikationen: „Eigensinn der Dinge“ (Berlin 2015), „Ethnologie und Weltkulturenmuseum“ (Berlin 2017), „Dinge als Herausforderung“ (Bielefeld 2018), „Das neue Zuhause. Haushalt und Alltag nach der Migration“ (Frankfurt a. M., 2019).




11:45 Uhr Thomas Mania (Gronau)
Die Renaissance des Objekts Abstract und Bio

Das rock’n’popmuseum in Gronau besteht seit 2004. Die Initiative zur Errichtung dieses bundesweit einzigartigen Hauses geht auf Udo Lindenberg zurück, Sohn der Stadt und Urgestein deutschsprachiger Rockmusik. 2018 hat sich das Museum mit einer Überarbeitung seiner Raumstruktur und der Dauerausstellung neu aufgestellt. Statt eines chronologischen Zugriffs bedient sich das rock’n’popmuseum nun eines themenorientierten Blicks auf die Geschichte der Popmusik. Einhergehend mit diesem Perspektivwechsel haben auch die Ausstellungsobjekte selbst als die wahren “Akteure” des Narrativs an Bedeutung gewonnen. Insgesamt zeigt sich in der Museumslandschaft ein Trend zum Comeback des Objektes in seiner historischen und sozialen Kontextualisierung und damit letztlich auch eine Rückbesinnung auf ureigene Museumsprofile. Dieses Zurück diktiert hinsichtlich des Sammlungsprofils und den Anforderungen an die Objektdokumentation die Rückkehr zu “solider” Museumstätigkeit mit dem Auftrag zur Bewahrung kulturellen Erbes und damit der sachgemäßen Bereitstellung von Realien für die Erforschung der Artefakte des Pops in ihrer sozialen Einbettung. Damit ist ein gewaltiges Feld in diversen regionalen Interpretationen umrissen, dessen Bestellung nicht allein von einer Institution Gronauer Formats geleistet werden kann. Angesichts dieser Aufgabenstellung versteht sich das rock’n’popmuseum nicht als Einzelkämpfer, sondern als ein Knotenpunkt im Netzwerk eines Verbundes von Archiven und Universitäten.

(©Frank Schürmann)

Dr. Thomas Mania, geboren am 12.02.1960 in Dortmund, studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster die Fächerkombination Volkskunde / Europäische Ethnologie, Publizistik und Philosophie. Ab dem Jahr 2000 gehörte er dem Team zur Errichtung des rock’n’popmuseums an. Seit Eröffnung des Hauses im Jahr 2004 ist er hier als Kurator tätig. In dieser Zeit hat er zahlreiche Sonderausstellungen konzipiert und umgesetzt. Im Zuge einer intensiveren Vernetzung des Museums mit wissenschaftlichen Institutionen gehört aber auch das Projektmanagement zunehmend zu seinen Aufgabenbereichen. Zu den größeren Ausstellungen veröffentlicht das rock’n’popmuseum begleitende Publikationen, die er als Mitherausgeber betreut.


12:30-14 Uhr Mittagspause


14:00-15:30 Uhr Materalität und Digitalität (Podiumsdiskussion)

Moderation: Christofer Jost (Freiburg) und Martin Pfleiderer (Weimar)

Was sind digitale Musikobjekte? Wie kann man sie in Sammlungen, Ausstellungen und Museen einbinden? Wie lassen sich Musikphänomene im Internet erforschen? Diesen und ähnlichen Fragen zur Zukunft der Musikobjektforschung im digitalen Zeitalter widmet sich am Schluss der Tagung eine Podiumsdiskussion.

Miriam Akkermann (Dresden)Bio

(©A. Dittmann)

Miriam Akkermann studierte Querflöte, sowie Musik und neue Technologien am C. Monteverdi Konservatorium Bozen, Audiokommunikation an der TU Berlin und Komposition und Klangkunst an der Universität der Künste Berlin, an der sie 2014 auch in Musikwissenschaft promoviert wurde. Von 2015-2019 war sie an der Universität Bayreuth in der Medienwissenschaft für den Bereich „Sound“ verantwortlich. Seit 2019 hat sie die Juniorprofessorin für empirische Musikwissenschaft an der TU Dresden inne.

Ihre Forschungsschwerpunkte sind Elektroakustische Musik, Computermusik und Mixed Music (Geschichte und Analysemethodik), Archivierung von musikalischen Arbeiten im Wandel digitaler Speichermedien, sowie (historisch informierte) Aufführungspraktiken und ihre Herausbildung.


Mario Anastasiadis (Bonn)Bio



Dr. Mario Anastasiadis ist Geschäftsführer und wissenschaftlicher Koordinator im vom Land NRW geförderten Forschungsverbund und Graduiertenkolleg NRW Digitale Gesellschaft. Er ist Mitarbeiter der Abteilung Medienwissenschaft der Universität Bonn sowie Sprecher der AG Populärkultur und Medien in der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM). Seine Arbeitsgebiete umfassen Mediatisierung, Online-Kommunikation, Politische Kommunikation sowie Digitalisierung von Musikindustrie und (musikbezogener) Nutzungspraxis in Netz und Social Media.


Steffen Lepa (Berlin)Bio

Dr. Steffen Lepa, *1978, Medien- und Kommunikationswissenschaftler, zur Zeit Postdoc-Researcher und Lecturer am Fachgebiet Audiokommunikation der Technischen Universität Berlin. 2018-2019 Gastprofessor für Medien und Musik am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung (IJK) der HMTM Hannover. Leiter des DFG-Forschungsprojekts „Survey Musik und Medien. Survey Musik – Empirische Basisdaten und theoretische Modellierung der Mediatisierung alltäglichen Musikhörens in Deutschland“ (2012-2016). Zentrale Forschungsgebiete: Mediatisierung, Digitaler Medienwandel, Audiomedien und auditive Medieninhalte, Methoden der Sozialforschung.


Nathalie Singer (Weimar)Bio




Nathalie Singer ist Professorin für Experimentelles Radio und war von April 2017-2020 Vizepräsidentin für Studium und Lehre an der Bauhaus-Universität Weimar. Davor Studium der Musik,- und Kommunikationswissenschaften an der TU-Berlin, Kompositionskurse bei der GRM in Paris. Sie arbeitet als Hörspiel- und Featureautorin, Regisseurin und Produzentin für den Rundfunk, komponiert Hörspiel-, Bühnen- und Filmmusik und publiziert zu elektroakustischer Musik und Klangkunst. Von 2002-2007 war sie als Dramaturgin in der Hörspielabteilung von Deutschlandradio Kultur tätig und entwickelte u. a. das Kurzhörspielformat Wurfsendung. Sie war von 2015-2018 Mitglied des interdisziplinären Forschungsprojekts Radiophonic Cultures und von 2018-2020 künstlerische Leiterin der Wanderausstellung Radiophonic Spaces.


Conference

Interdisciplinary Conference, Weimar, 1 and 2 October 2020
Ballroom of the Goethe National Museum Weimar, Frauenplan 1, 99423 Weimar

Limited number of participants. Registration via email: christina.doerfling@hfm-weimar.de

Program

Thursday, October 1

9:00 a.m.: Opening

Christoph Stölzl (President, HfM Weimar)
GreetingBio

Prof. Dr. Christoph Stölzl, geboren 1944 in Westheim, studierte Geschichte, Literaturwissenschaft und Soziologie. Ab 1974 arbeitete er im Bayerischen Nationalmuseum, von 1980 bis 1987 als Direktor des Münchner Stadtmuseums und danach bis Ende 1999 als Gründungs- und Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Christoph Stölzl hat zahlreiche große Ausstellungen zur europäischen Kulturgeschichte veranstaltet sowie viele Arbeiten zu Geschichte, Kultur und Politik Europas veröffentlicht. 2000/2001 war er Berlins Kultur- und Wissenschaftssenator und von 2002 bis 2006 Vizepräsident des Berliner Abgeordnetenhauses. Christoph Stölzl ist zudem viele Jahre als Publizist in Presse, Rundfunk und Fernsehen tätig gewesen. Seit Juli 2010 ist er Präsident der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar.


9:15 a.m. Christofer Jost (Freiburg) and Martin Pfleiderer (Weimar)
IntroductionBios



Christofer Jost is a lecturer at the Center for Popular Culture and Music and associate professor (Privatdozent) at the Department of Media and Cultural Studies, both at the University of Freiburg. His main areas of research and teaching are: popular music, digital media and music, audiovisual media cultures, music education and performance studies.



Martin Pfleiderer (born 1967) studied musicology, philosophy and sociology at the University of Giessen (1988-93), where he received his doctorate in 1998. From 1999-2005 he was a research assistant for systematic musicology at the University of Hamburg. After his habilitation (2006) and several guest lectureships, he has been Professor of the History of Jazz and Popular Music at the Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar since 2009. His research focuses on the history, analysis and aesthetics of jazz and popular music (especially with regard to rhythm, singing and improvisation), music sociology and computational musicology.



9:30 a.m.-1 p.m. Basics of Cultural Studies Object Research

Moderation: Laura Niebling (Regensburg/Weimar)Bio



Laura Niebling is a postdoctoral researcher at the Department for Media Studies at the University of Regensburg. She studied Media Studies and Comparative Literature at the University of Bochum and did her doctorate at the University of Bayreuth with a thesis on the history of factual music film. From 2015-2018 she was a research assistant in the DFG project „History of Documentary Film in Germany 1945-2005“ at the Film University Babelsberg Konrad Wolf, from 2018-2019 she was a member of the BMBF joint project „Music Objects of Popular Culture“ at the HfM Weimar. She mainly works in the field of media and technology history of digital media, currently especially the digitization of German (tele) medicine, and media of popular culture.



9:30 a.m. Stefanie Samida (Heidelberg)
Object, Body, Sound: Entanglements in Music Objects of Popular Culture Abstract and Bio

TriTraTrallala – this is how the record „Kinder hört mal her. 4 lustige Kasperlegeschichten und Kinderlieder“ begins. The vocals had and still have a very characteristic (mono-)sound and effect. Accompanied by the crackling and scraping of the needle, the constantly rotating motor of the record player “Telefunken Mister Hit“ in the background, and the turning of the record when the first two stories are over, a very specific interaction of thing, body and sound emerges.

On a theoretical level, the talk deals firstly with the complex concept of popular culture while taking into account the particular relationship of material culture and popular culture. Afterwards, the multiple entanglements of thing, body and sound will be focussed. Here, three concepts converge that are widely discussed in the current debate in cultural studies, but are rarely related to each other. Finally, using the already mentioned record player “Telefunken Mister Hit“, I would like to transfer the presented meta-theoretical thoughts on a more pragmatic and empirical level by applying various approaches: the materiality of the thing itself, the object’s history or biography, the study of the thing-thing relationship as well as the analysis of the human-thing entanglement and more specifically the practices of how this music object was and is integrated in daily routine.

Stefanie Samida is associate professor of popular cultures at Zurich University and research associate at Heidelberg University. She studied prehistory, classical archaeology and medieval history as well as media studies, received her doctorate in Tübingen (2005) and habilitated at Zurich University in 2016. She was one of three principal investigators in the research project „Living history: reenacted prehistory between research and popular performance“ at the Leibniz Centre of Contemporary History Potsdam, junior research group leader at the Heidelberg School of Education and research fellow at the International Research Center for Cultural Studies (IFK) in Vienna. Her research interests include heritage studies, material culture, popular cultures and history of media and science.


10:15 a.m. Stefan Krebs (Luxembourg)
Hands-on! – On the Experimentalization of (Media-)HistoryAbstract and Bio

The title of the Luxembourg research project „Doing Experimental Media Archeology“ already focuses on the historian’s own actions. While classic media archeology pursued a largely discourse-oriented approach, experimental media archeology aims to generate new knowledge about media objects and their use and reception practices through the experimenalization of historical research. Depending on the set-up of the experiments, the media objects themselves take center stage by being questioned as epistemic things, or get as technical objects in the background if the focus is on use and reception practices. The lecture describes the development of the local Luxembourg experimental culture and, based on our past experiments, scrutinizes the heuristic potential and the limits of experimental media archeology.



Stefan Krebs is Assistant Professor and Head of the Public History Department at the Luxembourg Center for Contemporary and Digital History (C2DH). He studied history, philosophy and political science at the RWTH Aachen University and the University of Aix-Marseille. In 2008 he received his PhD from RWTH Aachen University. He then worked as a postdoc at the TU Eindhoven, Maastricht University and the Université de Luxembourg before moving to the C2DH in 2017.





11:00 a.m. Coffee break

11:30 Uhr Anne-Kathrin Hoklas (Dresden)
The inertia of the media habitus. Music objects as generational formative experiences Abstract und Bio

No other aesthetic experience has influenced generations of young people in the second half of the 20th century to the same extent as music. There is widespread agreement that the ever new pop music styles formed generations. However, the rapid change of media technology in the field of music has also produced new generational styles of music listening practices. In other words: Not only the “what”, but also the “how” of music listening has generational imprints. The paper presents a cultural-sociological research perspective which builds on Karl Mannheim and Pierre Bourdieu, extends them media-theoretically and opens up an empirical approach. It is proposed to focus on the practices of media-based music listening and to ask how those transformed along the historical change of the materiality of musical objects. Against this backdrop, the paper shows by means of interview passages on the (non-)use of two selected audio technologies, headphones and the CD, stemming from a qualitative interview study conducted in 2013/14, that a generation specific modus operandi of music listening can be reconstructed, which is largely stable over different life phases despite of ongoing developments in media-technology.



Anne-Kathrin Hoklas is a lecturer at the chair for Sociological Theories and Cultural Sociology at the Technische Universität Dresden, where she obtained her doctorate in 2017 with a study on the sociomaterial change of everyday music listening practices. She was a scientific research assistant in the research project “Time has come today”. Before that she worked at the Audio Communication Group of the Technische Universität Berlin in the research project “Survey Music and Media”. She researches, teaches, and publishes on Cultural and Media Sociology, sociological theory, auditive culture and qualitative reconstructive methodologies and methods.



12:15 p.m. Andreas Ludwig (Potsdam)
Fragments of absence. Museum objects as traces of historical practiceAbstract and Bio

No radio set alone may tell about people listening to music in the past. Why then should we rely on material culture when writing history. In the museum, objects stored and preserved tell us about the equipments of society, technical solutions, design, and taste. But they give only a notion of how things have been used. In the object, traces refer to absence, to an idea of use that we cannot experience anymore, to indivual and social meaning. Thus objects are references of practices as a constant background noise that accompanies „big“ history and they transport indivdual and generational experience. This paper will ask what relics of everyday material culture can provide for historiography and our understanding of history.

Andreas Ludwig is a historian and Associated Scholar at the Leibniz-Centre for Contemporary History Potsdam. His fields of studies are the history of everyday life, material culture, and collecting in contemporary history. From 1993 to 2012 he was the director of the Documentation Centre of Everyday Culture in the GDR where he organized exhibitions and built the museum´s collections as material archive of society. He is co-editor of the journal WerkstattGeschichte and lecturer in museology at the Europa-University Viadrina at Frankfurt (Oder).


1:00 p.m. Lunch break


2:30- 6:30 p.m. Transnational Music Object Stories

Moderation: Alan van Keeken (Freiburg/Gronau)Bio

Alan van Keeken, M.A. studied musicology, sociology and political science at the Justus-Liebig-University of Gießen and graduated in 2018 with a thesis on „The Phenomenon Deutschpop ca. 2004-2011“. Since September 2018 he works as a researcher for the ZPKM at the Albert-Ludwigs-University of Freiburg. In the BMBF-Project „Musical Objects of Popular Culture“ he focuses the „generators of sound“. .
2:30 p.m. Daniel Morat (Berlin)
Circulating Sounds. Carl Lindström and the Emerging World Music Market, 1904-1929 Abstract and Bio
At the end of the nineteenth century, the new recording technology not only made it possible to capture and store sound for the first time. It also changed the way sounds could be set in motion. Put on a recording cylinder or disc, sounds could now be shipped from one place to the other, they could be passed around and traded as objects, which means that they could also be commodified in a new way. The quickly emerging recording industry was based on this principle. From early on, American and European record companies operated on a global level. Already at the beginning of the twentieth century, they started to record and sell music from all over the world in the whole world. Taking the example of the Berlin based Carl Lindström AG, the talk will examine this emerging world music market in the first decades of the twentieth century. Lindström, founded in 1904 in Berlin, was one of the biggest multinational record companies in Europe. In 1929, at the height of its global expansion, the company owned factories in six different countries and maintained a world-wide distribution network. The talk will focus on the cultural effects of these global business activities: To which extend did this circulation of records as music objects contribute to new forms of musical circulation and thus to the globalization of music?


PD Dr. Daniel Morat is lecturer for modern history at the Freie Universität Berlin and currently works as curator for the Berlin exhibition at the Humboldt Forum in Berlin. In the last couple of years, he has focused on questions of sound history, particularly in the fields of urban history, media history and popular culture. Last book publication: Handbuch Sound. Geschichte – Begriffe – Ansätze, ed. with Hansjakob Ziemer, Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler, 2018.




3:15 p.m. Stefan Gauß (Berlin)
Noise free and pure. The CD player and the transition to digital sound in the 1980s.Abstract and Bio

The first CD players came onto the market in the early 1980s. The new range of products quickly found acceptance, and in the following years the compact disc replaced the vinyl record as the leading medium for sound carriers. This change was accompanied by the transition from the analogue to the digital form of the technical reproduction of sound. The materiality and aesthetics of sound changed, as did that of objects. The CD player opened up new possibilities for action – for musicians, equipment manufacturers and commercial users as well as for those people who appropriated their products – with manifold consequences for musical culture. This contribution takes up the history of the CD player from the research perspective of „industrial mass culture“ (Wolfgang Ruppert). Based on the characteristics and properties of the object, it investigates their reciprocal relationship to the various meanings, concepts of meaning and ways of use as they developed within the spheres of production and handling. The historical comparison of the CD player with previous objectivations of the technical reproduction of sound allows for a classification into the history of civilization of modernity.



Stefan Gauß, born 1963, Dr. phil., first studied philosophy and Japanese studies at the Freie Universität Berlin, then design with a focus on cultural and design history at the Berlin University of the Arts. Among other things, he was a research assistant at the Center for Cultural Historical Studies, Berlin University of the Arts, under Prof. Dr. Wolfgang Ruppert and a lecturer for cultural and design history. His field of research is the history of things. Publications a. o.: Needle, Groove, Funnel. Cultural History of the Phonograph and the Grammophone in Germany (1900-1940), Cologne 2009., Köln 2009.




4:00 p.m. Coffee break

4:30 p.m. Sarah Hardjowirogo (Hamburg)
Future Sounds of Yesterday. On the Historicisation of Software Instruments Abstract and Bio

Not long ago, software instruments such as Max Mathews’ MUSIC programs (1957–66), Laurie Spiegel’s Music Mouse (1986), and Propellerhead’s ReBirth RB-338 (1996) would still belong to the future: Although developed in the most different historical, aesthetical, and technological contexts, they shared the vision of an entirely new approach to making music by means of the computer. From today’s point of view, they are already of a certain historic importance, being virtual cult objects that represent important stages in the history of computer music. Meanwhile, however, the future instruments of yesterday have aged a bit – the obsolescence of software is a problem that is certainly not leaving cultural artifacts untouched. Given their significance in the history of music, that leads to curators and scholars being confronted with questions of both technical and cultural preservation: How can the functioning of such instruments be maintained? What is the role of their single components, from the hardware environment to the programming language, the graphical user interface and other control interfaces to sound characteristics? What possibilities do they offer to present them in a museum context? Using the three instruments mentioned above as an example, the contribution elaborates on the challenges brought about by the historicization of virtual music objects such as software instruments


Sarah Hardjowirogo is Research Associate at the Transferbüro of Hamburg University of Music and Drama. In the course of her PhD at Leuphana University Lüneburg she dealt with the notion of the musical instrument and its change in the context of electronic and digital media. As a Research Associate, she has worked at various chairs in the field of musicology and media theory since 2010. Within the 3DMIN research project, she participated in the 2017 exhibition »Good Vibrations« at the Musical Instruments Museum Berlin. She researches, teaches, and publishes on music and technoculture, audio media, and musical instruments

5:15 p.m. Benjamin Burkhart (Freiburg)
Conceptualizing, Constructing, Calculating. Company Archives and Historical Production Research on Music Devices Abstract and Bio

Design, functions, and marketing of music devices are based on lengthy planning processes which necessitate the cooperation of different professions. However, and due to company secrets, relatively little is known about these processes. In order to get insights to production processes, one can focus on music devices producer’s archives which are partly accessible for researchers. In these archives, protocols, design sketches, mechanical drawings, technical reports, and economic calculations are collected. These documents can form the basis for historical production research on music devices. The presentation focuses on archives of companies of the former GDR, where a vital industry for music devices existed. In comparison with archives of former West German companies accessible for the public, these archives contain a multitude of sources on the production of music devices and provide a promising basis for historical research. Based on various types of historical sources, perspectives for researching music devices with a focus on company archives will be outlined. The attempt is to analyze music devices not with a focus on design, marketing, or appropriation by different social groups, but as a result of creative, technical, and economic processes.


Benjamin Burkhart studied musicology at the University of Würzburg and the University of Music Weimar, where he obtained his doctorate in 2019. Since 2018, he has been a research associate at the Center for Popular Music and Culture at the University of Freiburg in the research project „Music Objects of Popular Culture“. His main research interests concern the analysis and aesthetics of popular music and jazz, qualitative empirical methods in music research, and auditory cultures in past and present.



Friday, October 2

9:00 a.m.-12:30 p.m. Collect – Preserve – Exhibit – Communicate

Moderation: Christina Dörfling (Weimar)Bio

Christina Dörfling is research associate at the University of Music Weimar in the research project „Music Objects of Popular Culture“. She studied Media Studies, Musicology and History at the Humboldt-Universität zu Berlin. From 2015 to 2018, Christina worked as a research assistant at the DFG Research Training Group “Knowledge in the Arts” at the University of Arts Berlin. There she completed her PhD thesis “Circuit Stories: Resonant Circuitry at the Interface of Music and Media” in 2019. Christina had been fellow at the Humboldt Graduate School, Scholar in Residence at Deutsches Museum München and fellow at MPI for the History of Science.



9:00 a.m. Rebecca Wolf (München)
Objects of Music in the Museum: Classical Tasks and Virtual Potential Abstract and Bio

The wide variety of objects of music includes musical instruments, apparatuses, scores, recordings, as well as installations and scripts of performances. These material objects have a special relationship to music, which is an ephemeral art, and pose interesting questions and challenges to museums and related institutions such as libraries and archives. Many a time, the relevant artefact for the museum’s work must first be determined: should the music itself or the associated material object take priority? For cataloguing projects, this is a crucial step. It raises the question: what exactly should be conserved? Also, conservation science has similar topics. The classical museum’s tasks have been supplemented during the last years, maybe decades, by digitization; it links the fields of research, preservations and presentations in a particular way. On the one hand, it complements the museums’ conventional tasks. On the other hand, it often produces its own, new objects such as scans, recordings, graphs, photographs, virtual copies, databases and samples. The latter can be discussed und exhibited through the lens of authenticity. Using selected examples, I will present the various challenges posed by objects of music for museums and the strategies involved in creating a virtual exhibition.


Rebecca Wolf leads the Leibniz-research group “Materiality of Musical Instruments: New Approaches to a Cultural History of Organology” at the Deutsches Museum and teaches musicology in Munich and Stuttgart. She was Fellow at the Harvard Music Department and at the MPI for the History of Science. Her first book, “Friedrich Kaufmanns Trompeterautomat. Ein musikalisches Experiment um 1810” won the Award of Excellence of the Austrian Ministry for Science and Research. She has published on music in peace and war and organological topics. In her current book project, she explores concepts of sound and knowledge of craft from 1800 to 1950.


9:45 a.m. Benedikt Brilmayer (Berlin)
Safe and sound? The problem of ephemerality of electronic sounds and instrumentsAbstract and Bio

Electronic musical instruments underwent multifarious developments, especially from the second half of the 20th century onwards. Even an excursive overview of their musical capabilities, they seem to overcome customary imaginations of musical instruments. Their potential to create timbre seems to be inexhaustible, playing and operating them brought new performative dimensions into being. Nevertheless, collections of electronic instruments commonly are in private hands or private museums and only in the last years they moved into the focus of research. Although the family of electronic instruments is comparably young, museal „preservation“ constitutes a major challenge. How can instruments be preserved, when their materiality is most diverse and extremely transient at the same time? How could „the sound“ be archived, when instruments are designed to being able to create as many timbres as possible? How could playing-techniques be documented, when the potential lies in the fact, that every interpreter could program his instrument as desired? Preserving the „silent“ instrument already poses an almost unsolvable conservational challenge concerning the highly complex components. But are replicas, copies or emulations able to allow an authentic sound-experience and to give us clues on ways of playing it or even playing-techniques? This lecture would like to provide insight in a collection-related handling of electronic musical instruments on the one hand. On the other hand it would like to pose thoughts on educational work and by reference to selected instruments and processes to discuss specific problems.



Benedikt Brilmayer studied musicology and psychology at the Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar and the Friedrich-Schiller-Universität Jena. Initial works in the field of organology followed in the research-project „Restoration and conservation of historical keyed instruments“. Furthermore he worked for the Thuringian state-exhibition Franz Liszt. Ein Europäer in Weimar. In his dissertation-project he examined processes of transfer of technology in the field of making musical instruments with a special focus on the Trautonium. Since 2015 he works at the Museum for Musical Instruments SIM PK and is curator for stringed and electronic instruments. He publishes a.o. works concerning museal handling with electronic instruments as well as processes of their emergence and development.




10:30 a.m. Coffee break

11:00 a.m. Hans Peter Hahn (Frankfurt)
The recalcitrant collection. On the obstinate life of objects collected and storedAbstract and Bio

Walter Grasskamp’s book „Strange Museum Visits“ provides information about the often surplus „secret life“ of collection and exhibition pieces that are formed in literary fantasies. The reader is presented with a kaleidoscope of literary sources, in which things always acquire more qualities than are professionally attributed to them. The things come to life, they enter into a dialogue with the visitor, and they transform the hall into a theatre stage. From a scientific perspective, collections are initially an epistemic scaffolding. They owe their existence to the notion that by gathering the objects together they can gain knowledge that could not otherwise be gained. Despite the clear ‚original motivation‘ for a collection, it is obvious that hardly any collection fulfills the goal set out above. Collections fail because they remain incomplete, interest in them is lost because new concepts and theories come to the fore in the discipline concerned, or they are neglected because the costs of maintenance and presentation are too high. In addition to these aspects, this lecture will also focus on another moment of surprise. It is about the question of the extent to which collection objects are actually witnesses, as is often formulated by ethnologists and other scholars. Especially in the area of musical instruments in collections, surprises are commonplace. For example, it is a question of how an object changes through storage, whether the playability of the instrument can be preserved, and last but not least, what priorities are to be set in restoration. Often an knows more about materials and the restoration challenges than about the object itself. An example of this irritating lack of knowledge about ethnographically collected musical instruments is a raft zither of the Rukuba from the central plateau of Nigeria.



Hans P. Hahn is professor of ethnology with a regional focus on West Africa at the Goethe University in Frankfurt am Main. His main research interests include material culture, crafts, consumption and globalization. In addition to projects of international museum cooperation, he has conducted ethnographic research on migration in West Africa, consumer goods, and the meaning and use of mobile phones. Other areas of interest include economic ethnology, cultural value concepts and transnational labour migration. Important publications: „Eigensinn der Dinge“ (Berlin 2015), „Ethnologie und Weltkulturenmuseum“ (Berlin 2017), „Dinge als Herausforderung“ (Bielefeld 2018), „Das neue Zuhause. Household and everyday life after migration“ (Frankfurt a. M., 2019).




11:45 a.m. Thomas Mania (Gronau)
The Renaissance of the Object Abstract and Bio

The rock’n’popmuseum in Gronau existed since 2004. The initiative to build this house, which is unique in Germany, goes back to Udo Lindenberg, son of the city and veteran of German-language rock music. In 2018, the museum repositioned itself with a revision of its spatial structure and the permanent exhibition. Instead of a chronological access, the rock’n’popmuseum now uses a thematic view of the history of pop music. Along with this change of perspective, the exhibits themselves have become more important as the true “actors” of the narrative. All in all, there is a trend in the museum landscape towards the object’s comeback in its historical and social contextualization and thus ultimately a return to its own museum profiles. With regard to the collection profile and the requirements for the object documentation, this back dictates a return to “solid” museum activity in order to preserve cultural heritage and thus the appropriate provision of realities for the research of pop artifacts in their social embedding. This outlines define a huge field in various regional interpretations, the order of which cannot be carried out by an institution of the Gronau format alone. In view of this task, the rock’n’popmuseum does not see itself as a lone fighter, but as a hub in the network of a network of archives and universities.

(©Frank Schürmann)

Dr. Thomas Mania, born on February 12, 1960 in Dortmund, studied the combination of folklore / European ethnology, journalism and philosophy at the Westphalian Wilhelms University in Münster. From 2000 he was part of the team to set up the rock’n’popmuseum. He has been a curator here since the house opened in 2004. During this time he designed and implemented numerous special exhibitions. In the course of a more intensive networking of the museum with scientific institutions, project management is also increasingly one of his areas of responsibility. The rock’n’popmuseum publishes accompanying publications for the larger exhibitions, which he is responsible for as coeditor.


12:30 p.m.-2 p.m. Lunch break


12:00 p.m.-3:30 p.m. Materiality and Digitality (panel discussion)

Moderation: Christofer Jost (Freiburg) and Martin Pfleiderer (Weimar)

What are digital music objects? How can they be integrated into collections, exhibitions and museums? How can musical phenomena be researched on the Internet? These and similar questions about the future of music object research in the digital age will be addressed in a panel discussion at the end of the conference.

Miriam Akkermann (Dresden)Bio

(©A. Dittmann)

Miriam Akkermann studied flute, and music and new technologies at C. Monteverdi Conservatory, Bolzano, audio communication at TU Berlin, and composition and Sound Art at University of the Arts Berlin, where she also completed her PhD in musicology in 2014. From 2015-2019, she was responsible for the area „sound“ in the media studies department at Bayreuth University. Since 2019, she holds a junior professorship for empirical musicology at the TU Dresden.
Her main research interests are electroacoustic music, computer music and mixed music (history and analysis methodology), archiving musical works in the digital age, as well as (historically informed) performance practices and their emergence.


Mario Anastasiadis (Bonn)Bio



Mario Anastasiadis, PhD, is managing director and scientific coordinator in the Research Program and Graduate School NRW “Digital Society” funded by the Ministry of Culture and Science of the German State of North Rhine-Westphalia. He works as a research associate at the University of Bonn, Department of Media Studies, and is spokesperson of the Popular Culture and Media section of the German Media Studies Association (GfM). His main research interests include Mediatization, Online Communication, Political Communication and Digitization of the Music Industry and music related Practice in Social Media.


Steffen Lepa (Berlin)Bio

Dr. Steffen Lepa, *1978, Media and Communication Scholar, currently postdoc researcher and lecturer at the Audio Communication Group, Technical University of Berlin. 2018-2019 guest professor for media and music at the Institute for Journalism and Communication Research at Hanover University of Music, Drama and Media. Principal investigator of national funded research project “Survey Music and Media” (2012-2016). Central research areas: Mediatization, digital media, audio communication and audio media, social research methods.


Nathalie Singer (Weimar)Bio



Nathalie Singer is Professor of Experimental Radio and from April 2017 to 2020 she was vice president of the Bauhaus-Universität Weimar. She authors radio plays and features and directs and produces for radio; she composes music for radio, theater and film, and publishes on electroacoustic music and sound art. From 2002 to 2007 she was a dramaturg in the radio play department of Deutschlandradio Kultur where she also developed the short radio drama format Wurfsendung. From 2015-2018 She was a member of the interdisciplinary research project Radiophonic Cultures and from 2018-2020 artistic director of the touring exhibition Radiophonic Spaces.



Ehrenpromotion Rainer E. Lotz

Feierliche Verleihung der Ehrendoktorwürde im Fach Musikwissenschaft an Rainer E. Lotz durch die Fakultät III der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar

Zeit: 2. Oktober 2020, 17 Uhr
Ort: Fürstensaal im Fürstenhaus, Platz der Demokratie, 99423 Weimar



Laudatio: Dr. Wolfram Knauer
Bio Dr. Knauer

Wolfram Knauer leitet seit 1990 das Jazzinstitut Darmstadt. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, zuletzt Monographien über Louis Armstrong (2010), Charlie Parker (2014), Duke Ellington (2017) sowie ‚Play yourself, man!‘ Die Geschichte des Jazz in Deutschland (2019). Im Frühjahr 2008 lehrte er als erster nicht-amerikanischer Louis Armstrong Professor of Jazz Studies an der Columbia University in New York. 


Dr. rer. pol. Rainer E. Lotz (* 1937 in Hamburg) ist promovierter Politologe und Wirtschaftswissenschaftler. Seit den 1970er Jahren hat Rainer E. Lotz die deutsche und transnationale Musikgeschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erforscht. Er gilt als einer der weltweit führenden Experten des Grammophon- oder Schellack-Zeitalters (ca. 1890-1960). Seine Hauptverdienste liegen in der umfassenden wissenschaftlichen Dokumentation, Erschließung und historischen Kontextualisierung von Grammophon-Aufnahmen aus den Bereichen Unterhaltungsmusik, Jazz, jüdische Musik und Musikethnologie in einer mehrbändigen Deutschen National-Discographie (24 Bände) sowie in der umfassenden Aufarbeitung der Geschichte der deutschen Schallplattenindustrie in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in dem fünfbändigen Bilderlexikon der deutschen Schellackplatten. Zudem hat er zahlreiche Zeitzeugeninterviews mit Jazz- und Unterhaltungsmusikern, die in den 1920er und 1930er Jahren in Deutschland aktiv waren, durchgeführt und dadurch entscheidend daran mitgewirkt, diese Epoche der deutschen Musikgeschichte vor dem Vergessen zu bewahren. Die von Rainer E. Lotz mit herausgegebene zweibändige Dokumentation Black Europe. The sounds and images of black people in Europe pre-1927 (mit 44 CDs) wurde 2015 für einen Grammy in der Kategorie „Best Historical Album“ nominiert.

Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde (honoris causa) an Rainer E. Lotz würdigt die HfM dessen „(…) außergewöhnliche Verdienste für ein tiefgreifendes Verständnis der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, Europa und der Welt, insbesondere hinsichtlich der Geschichte des Mediums Schallplatte, der Tanz- und Unterhaltungsmusik, des Jazz und der jüdischen Musik in Deutschland sowie der Geschichte von afrikanischer und afroamerikanischer Musik im kolonialen Europa.“ (Zitat aus der Promotionsurkunde)

Impressum

Verantwortlich für die Website:
Prof. Dr. Martin Pfleiderer
Dr. Wolf-Georg Zaddach

Planung und Organisation der Tagung:
Prof. Dr. Martin Pfleiderer
Dr. Christina Dörfling

Veranstaltet vom
Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena
Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar
Platz der Demokratie 2/3, D-99423 Weimar

Die Tagung wird finanziert aus Projektmitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Rahmen des Verbundprojekts „Musikobjekte der populären Kultur – Funktion und Bedeutung von Instrumententechnologie und Audiomedien im gesellschaftlichen Wandel“  



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